Umwelttag 2010 PDF Drucken E-Mail

Containerweise wilden Müll aufgelesen

UMWELTTAG Freiwillige sammelten, was andere weggeworfen hatten: Reifen, Sessel, Computerteile

Kölner Stadtanzeiger - Ausgabe 20.04.2010, Beitrag von CLAUDIA HOFFMANN

Schleiden/Mechernich. "Auf zum Frühjahrsputz!", hieß es in vielen Gemeinden der Region am Samstag. Immer größer wird die Zahl der Bürger und Vereine, die sich an den Umwelttagen beteiligen und sich zum großen Reinemachen einfinden.

Dieser an sich überaus erfreuliche Umstand wird jedoch gleich relativiert durch die höchst unerfreuliche Tatsache, dass die freiwilligen Müllmänner und -frauen ihren Heimatort bei dieser Gelegenheit nicht nur von achtlos weggeworfenem Müll säubern müssen, sondern dass der eine oder andere Mitbürger seinen Unrat mit Blick auf die bevorstehende Aktion offenbar absichtlich an zentralen Stellen deponiert. So standen an der Grillhütte in Strempt urplötzlich auf einmal vier Wohnzimmersessel herum. Bemerkenswert: Für den Pkw-Verkehr ist an der Schranke Schluss. Die Sessel müssen also mit einigem Aufwand zur Grillhütte getragen worden sein.

Auch die Gewässer werden von den Umweltfrevlern nicht verschont. In Gemünd füllte der Fischereiverein am Urftufer einen kompletten Anhänger mit wildem Müll: Gefunden wurden unter anderem sechs Autoreifen, eine Blechtonne mit einem Kanister Öl sowie ein noch voll funktionstüchtiges Fahrrad. In Schleiden stießen die freiwilligen Helfer auf Schreibmaschinen, Backöfen und Matratzen. Norbert Niebes will in Kürze mit dem Löschzug Schleiden noch einmal losziehen, um im Rahmen einer Aktion "Sauberer Bach" die nicht unbeträchtliche Menge Restmüll aus der Olef zu fischen.

In Weyer ärgerte sich Ortsvorsteher Peter Wassong nicht nur über den beinahe schon obligatorischen Anblick zahlloser bulgarischer Weinflaschen. Fast schon ebenso traditionell war in einem Waldstück Richtung Kartsteinhöhe auch wieder ein Fernsehgerät entsorgt worden. Zu Fuß und mit drei historischen Traktoren sammelten die Weyerer Bürger bis zum Mittag einen kompletten Container voller Unrat.

In Kommern-Süd und Katzvey waren viele Kinder des Awo-Kindergartens "Bolzplatzkids", zahlreiche Jugendliche und rund 50 erwachsene Helfer im Einsatz. Sie stießen neben Computerteilen größeren Formats sogar auf ein gültiges Fahrzeugkennzeichen mit Tüv-Zulassung, das wenig später von einem Polizeibeamten abgeholt wurde. "Erschreckend" ist in den Augen von Kindergartenleiterin Simone Reifferscheid, dass stets "gleichbleibend viel Müll" gefunden wird. Dabei hatte man doch gehofft, die Menschen auch und gerade durch Umweltaktionen stärker für das Thema sensibilisieren zu können. Die engagierte Pädagogin hat sich nun mit einem umfassenden Konzept für den vom Kreis Euskirchen ausgeschriebenen Umweltpreis beworben.
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